Blinddarmentzündung: Dein Körper ist kein Zufallsgenerator.

Vielleicht liegst du gerade mit Schmerzen im rechten Unterbauch da.
Vielleicht wartest du auf einen OP-Termin für die Blinddarmentzündung, oder er ist bereits operiert worden und du fragst dich, warum ausgerechnet jetzt, warum ausgerechnet du. Vielleicht hat dir der Arzt gesagt "kommt vor, ist halt so" und du hast das geschluckt, obwohl es sich nicht nach einer Antwort angefühlt hat.
Ich will dir nicht erzählen, dass du selbst schuld bist. Das bist du nicht. Aber ich will dir eine andere Frage anbieten als die, die dir bisher gestellt wurde. Es geht nicht darum "was ist kaputt", sondern "was will mein Körper mir gerade jetzt sagen".
Mein Video über den Blinddarm hat über 120.000 Menschen erreicht. Über 500 haben kommentiert. Und je länger ich gelesen habe, desto klarer wurde ein Muster, das ich dir nicht vorenthalten will.
Der Blinddarm gilt als das nutzloseste Organ, das wir haben. "Kann raus, braucht kein Mensch." Das hat man uns jahrzehntelang erzählt. Dabei speichert er wichtige Darmbakterien und ist ein Rückzugsort fürs Mikrobiom. Das zeigen mittlerweile mehrere Studien. Nutzlos ist er also nicht. Aber genau das war gar nicht die eigentliche Überraschung dieses Videos.
Die eigentliche Überraschung stand in den Kommentaren.
Ein Muster, das sich nicht wegdiskutieren lässt
Ich habe nicht nach Geschichten gefragt. Trotzdem standen sie unter dem Video. Zu Hunderten. Und fast immer las sich das Gleiche zwischen den Zeilen: Der Blinddarm meldete sich genau dann, wenn zu Hause etwas zu viel wurde.
Eine Frau schrieb, ihre Tochter kam in derselben Nacht mit fast geplatztem Blinddarm ins Krankenhaus, in der es zu Hause beim Frühstück einen großen Streit gegeben hatte. Notoperiert, 20 Stunden nach dem Konflikt.
Ein anderer Kommentar: Blinddarm ausgebrochen, kurz nachdem er sich aus einer toxischen Familienstruktur gelöst hatte. Nach 20 Jahren.
Eine Userin berichtete von fünf Jahren chronischer Entzündung, die genau in dem Moment endete, als sie sich von ihrer Mutter lösen konnte.
Eine weitere schrieb, ihr Blinddarm wurde entfernt, kurz nachdem ihr Vater gestorben war. Sie war acht.
Und immer wieder dasselbe Bild: Mobbing in der Schule. Gewalt in der Familie. Eltern, die sich scheiden ließen, während das Kind operiert wurde. Ein Umzug, eine Überforderung, ein Schweigen, das nicht gebrochen werden durfte.
Wir glauben, unser Körper zeigt zufällig ein Symptom. Das stimmt nicht.
Wir sind darauf trainiert, Symptome als Pech oder Zufall zu verstehen.
Als biologische Fehlfunktion, die eben passiert, ohne Grund, ohne Zusammenhang, einfach Pech gehabt. "Kann jeden treffen."
Und genau dieser Satz ist es, der uns davon abhält, wirklich hinzuschauen.
Stell dir mal vor, du liegst gerade mit diesem Ziehen im rechten Unterbauch da. Du hast schon zweimal nachgefragt, ob das wirklich der Blinddarm ist, weil sich irgendwas daran nicht "zufällig" anfühlt.
Vielleicht warst du in den letzten Wochen erschöpfter als sonst. Vielleicht schluckst du gerade etwas runter, das du eigentlich mal aussprechen müsstest. Einem Partner, einem Chef, einer Mutter gegenüber.
Vielleicht hältst du seit Wochen oder Monaten etwas zusammen, das realistisch betrachtet schon lange zusammengebrochen ist. Nur du bist noch die Einzige, die es nicht sehen will.
Und dann, mitten in diesem Zustand, meldet sich dein Körper. Genau jetzt.
Das ist der Moment, in dem die meisten von uns fragen: "Warum ich?" Ich möchte dir eine andere Frage anbieten: "Warum jetzt?"
Genau diese Frage stellten sich auch die Menschen unter meinem Video, ohne dass ich sie danach gefragt habe. Ein Kind kann meistens nicht sagen: "Ich halte diesen Streit zwischen euch nicht mehr aus." Aber sein Körper kann es zeigen. Und auch wir Erwachsenen verlernen das oft nicht wirklich. Wir werden nur besser darin, es zu überspielen, bis der Körper irgendwann lauter wird als wir.
Das heißt nicht, dass jeder entzündete Blinddarm ein psychisches Drama ist. Manchmal ist es einfach eine Entzündung. Und bei akuten Beschwerden gehört man immer sofort in ärztliche Behandlung. Das ist keine Verhandlungssache. Aber wenn sich ein Muster über Jahre wiederholt, oder gleich mehrere Familienmitglieder betrifft, lohnt sich die Frage: Was wird hier immer wieder verschluckt, bis es fast platzt?
Warum das niemand fragt
Die Schulmedizin behandelt das Symptom. Sie fragt nicht, warum ein Organ genau jetzt reagiert. Das ist auch okay so. Akute Medizin muss schnell und wirksam sein, dafür ist sie da. Aber die Frage nach dem "Warum jetzt?" bleibt meistens komplett offen. Dabei ist genau das die Frage, die uns weiterbringt, wenn wir wirklich verstehen wollen, was unser Körper uns die ganze Zeit schon zeigt.
Eine Frau schrieb mir, sie habe für sich gelernt zu vergeben und "Frieden in die Ahnenlinie zu bringen." Frieden im Innen, so auch im Außen. Das ist kein esoterisches Geblubber. Das ist das Ergebnis ihrer jahrelangen Arbeit an genau den Themen, die ihr Körper schon als Kind gezeigt hatte.
Was das für uns bedeutet
Wir müssen nicht jedes Symptom zerlegen und therapieren. Aber wir dürfen aufhören, unseren Körper als Zufallsgenerator zu behandeln. Wenn sich etwas wiederholt, wenn ein Organ sich meldet, gerade dann, wenn zu Hause oder im eigenen Leben zu viel Druck herrscht. Dann lohnt sich der Blick dahinter. Es geht nicht um Schuldgefühle. Es geht darum wieder neugierig dem Körper zuzuhören. So wie Kinder das tun.
Der Körper lügt nicht. Er spricht nur eine andere Sprache als die, die wir gelernt haben zu hören.
Die Frage ist nur, wann fangen wir endlich damit wieder an?
Und im nächsten Schritt ist eins ganz sicher: das Muster erkennen ist das eine. Es zu bearbeiten, ist nochmal was anderes. Hier geht es darum ein Gefühl herzuholen, ihm Raum zu geben, es bewusst gehen zu lassen. Wie das für dich aussieht, kann ich dir nicht vorschreiben. Ich arbeite mit vielen Methoden: systemisch, mental, kreativ, energetisch. Und das ist so individuell wie du selbst.
Aber eins gilt für alles in meiner Arbeit: erst muss das Gefühl von Halt da sein.
Wenn du schon so oft fallen gelassen wurdest, kannst du an keinem Muster arbeiten, bevor du dich sicher fühlst.
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Meine Begleitung ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die Arbeit läuft parallel dazu. Ich stelle keine Diagnosen und gebe keine Heilversprechen. Meine Arbeit versteht sich als ergänzende Unterstützung, die die emotionale Ebene von Symptomen sichtbar macht und mit systemischen, kreativen und mentalen Ansätzen begleitet.











