Wir sind alle ewige Patienten.
Das ist kein Zufall, das ist ein Geschäftsmodell.

Die Weltgesundheitsorganisation sagt: Gesundheit ist der Zustand von vollständigem, körperlichen, seelischen und sozialem Wohlbefinden.
„Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“
Lies es nochmal: VOLLSTÄNDIG. SEELISCH. SOZIAL. Alles gleichzeitig
Und jetzt schau mal auf deine letzten zwölf Monate zurück. Wie viele Tage davon warst du vollständig, körperlich, seelisch und sozial gesund?
NULL. Bei dir. Bei mir. Bei jedem Menschen, den du kennst.
Das ist keine Definition von Gesundheit.
Das ist ein Zustand, den es nicht gibt.
Das ist eine Latte, die so hoch liegt, dass jeder einfach nur drunter durchlaufen kann.
Und weißt du was passiert, wenn keine mehr diese Latte reißen kann?
Dann ist jeder per Definition krank.
Jeder. Ständig. Irgendwo.
Und genau hier wird es interessant. Wenn per Definition sowieso jeder irgendwo defizitär ist, kann man auch jedem irgendetwas verschreiben und an ihm rumdoktern.
Eine Diagnose. Eine Tablette. Eine Verlaufskontrolle in drei Monaten.
Wir werden zu Dauerpatienten. Und das nur aufgrund einer Definition, die Gesundheit so eng fasst, dass keiner mehr da reinpasst.
Bei Themen, die über die Psyche auf unseren Körper wirken, sieht man das am deutlichsten.
Ein Symptom wird unterdrückt, statt in seiner Ganzheit betrachtet.
Beispiele zeigen es immer wieder: Ein Hautausschlag wird mit Cortison weggecremt und drei Monate später steht das nächste Symptom vor der Tür. Migräne. Rückenschmerzen, Schlafstörungen. Wieder Ausschlag oder was Schlimmeres.
Man nennt das dann „unerklärlich“ oder „genetisch“ oder „einfach Pech“.
Ist es aber nicht. Es ist Symptomverschiebung.
Symptome haben ihren Ursprung in dem was wir fühlen oder eben auch nicht.
Und genau das Gefühl, dass gesehen werden wollte, hat einfach eine neue Tür gesucht, weil die alte eben mit Creme zugeschmiert wurde.
Chronisch heißt nicht: kaputt
Chronisch kommt aus dem Griechischen und bedeutet Zeit – Chronos.
Ein langsamer, stetiger Verlauf. Ein Prozess über Jahre.
Und hier machen die wenigsten eine Unterscheidung: Eine echte körperliche Krankheit hat eine Richtung. Ein Ziel.
Heilung. Oder Ende. Herzinfarkt, Organversagen. Oder Gesundheit.
Ein chronisches Leiden hat keine Richtung. Es kommt. Es geht. Es kommt wieder. Das über Jahre hinweg, ohne eine rote Linie im Verlauf. Manchmal schlimmer, manchmal fast weg.
Und du merkst irgendwann: Das hat etwas mit deinem Tag zu tun. Mit wem du gesprochen hast. Womit du dich die ganze Zeit in deinem Kopf beschäftigen musst. Womit du gerade allein klarkommen musst.
Die Blutwerte drücken nur aus was du eh schon weißt. Das etwas nicht stimmt.
Bei chronischen kommt nämlich noch eine Ebene dazu:
Der Verlauf hängt nicht nur vom körperlichen Organzustand ab, sondern vorrangig vom eigenen Empfinden.
Und das sage nicht ich, sondern ist Stand der Forschung.
Eine der größten Studien dazu kam erst letztes Jahr (2025) heraus. Über 500.000 Menschen aus der britischen UK-Biobank-Datenbank, ausgewertet mit Machine Learning (Fillingim et. Al., 2025, Nature Human Behaviour).
Ergebnis: Blutwerte, Hirnscans, Knochendichte, sogar Gene. All das konnte relativ vorhersagen, ob jemand eine bestimmte Diagnose hat.
Aber ob jemand tatsächlich Schmerzen empfindet, wie stark, wie oft. Das ließ sich nicht aus den biologischen körperlichen Werten vorhersagen.
Was den Schmerz dagegen zuverlässig hervorsagte: Psychosoziale Faktoren. Stimmung. Schlaf. Stress im Job. Belastende Lebensereignisse.
Und bei Menschen, die überall am Körper Schmerzen hatten (nicht nur an einer Stelle), war der psychosoziale Faktor fast der Einzige, der überhaupt noch als Erklärung in Frage kam.
Sprich das Gewebe sagt, ob du eine Diagnose kriegst.
Dein Empfinden sagt, wie du dich fühlst.
Konkret lässt sich das am Beispiel einer Klientin von mir zeigen:
Eine Frau Anfang vierzig. Seit Jahren wiederkehrende Blasenentzündungen. Mal alle paar Monate, mal zwei Jahre Ruhe, dann wieder drei Schübe hintereinander.
Die Ärzte haben alles Organische durchgecheckt. Anatomisch unauffällig. „Vielleicht psychisch bedingt“, sagt sie irgendwann, und schreibt das nächste Antibiotikum auf.
Und die Frau? Sucht die Ursache im Jetzt!
War es der kalte Boden? Zu wenig getrunken? Der neue Sexualpartner?
Alles mögliche Auslöser, aber keiner davon erklärt, warum es seit fünfzehn Jahren immer wieder genau dieses Organ betrifft.
Was in Sitzungen dann meistens rauskommt:
Es geht nicht um die Blase und den kalten Boden. Es geht um das eigene Territorium. Um das Gefühl, sich nicht abgrenzen zu können. Räumlich. Emotional. In der Beziehung.
Ein Muster, das lange vor der ersten Entzündung angelegt wurde.
Die aktuellen Umstände sind nur der Auslöser. Nicht die Ursache.
Warum „die Ursache finden“ trotzdem oft nichts bringt.
Weil die meisten bei der falschen Ursache landen.
Die Entscheidung für Heilung beruht auf dem Gefühl, das mit dem Symptom verknüpft ist. Nicht auf der Diagnose. Nicht auf dem Umstand von letzter Woche.
Wenn du ein Symptom verteufelst, loswerden willst, statt zu fragen, woher es kommt, suchst du die Ursache fast automatisch in der Gegenwart. Im Job. Im Wetter. In der neuen Matratze. In der Beziehung.
Und dabei kommst du dem eigentlichen Gefühl nicht auf die Spur. Also ändert sich auch nichts.
Das Symptom bleibt. Höchstens die Erklärung dafür wird jedes Mal eine andere.
Und hier kommt die Erklärung, warum das so ist (nicht nur gefühlt, sondern nachvollziehbar)
Das Transaktionale Stressmodel nach Lazarus. Klingt hochtrabend, ist aber ganz simpel.
1. Der Reiz
Irgendwas passiert. Ein Satz vom Chef. Ein Blick vom Partner. Eine Nachricht von der Schwiegermutter. Das ist der Reiz. Der kommt von außen, ist aber neutral.
2. Der Filter
Der Reiz geht nicht direkt in dich rein. Er geht erst durch deinen persönlichen Filter. Und der ist bei jedem anders. Aufgebaut aus allem, was du bisher erlebt hast. Deine Kindheit. Deine Beziehungen. Deine alten Verletzungen. Zwei Menschen hören denselben Satz, und bei dem einen klingelt nichts, beim anderen schrillen sofort alle Alarmglocken.
3. Der erste Check – Ist das gefährlich?
Direkt danach, in Millisekunden, bewertest du: Harmlos? Positiv, sogar Spannend? Oder gefährlich? Bedrohlich? Ein möglicher Verlust?
4. Der zweite Check – Schaff ich das?
Fast gleichzeitig checkst du ab: Hab ich genug Kraft, Zeit, Nerven, Unterstützung, um damit klarzukommen? Oder fehlt mir gerade was?
5. Stress
Nur wenn beide Checks schlecht ausfallen. Gefährlich und ich schaff’s nicht. Dann kippt es. Dann entsteht Stress. Nicht der Reiz macht krank. Es ist die Kombination aus Bewertungen.
6. Coping – Was du dagegen tust.
Jetzt reagierst du. Zwei Richtungen, die es gibt:
- Du änderst die Situation selbst. Du sprichst das Problem an, kündigst, setzt eine Grenze. Das nennt man problemorientiert.
- Oder du änderst deinen Bezug zur Situation, weil du siegerade nicht ändern kannst. Du beruhigst dich, redest mit jemanden darüber, lässt Dampf ab. Das nennt man emotionsorientiert.
Beides ist okay. Beides ist Coping.
Manchmal geht nur das eine, manchmal nur das andere.
7. Neubewertung
Am Ende, wenn es gut läuft, lernst du was dazu. Dein Filter aus Schritt 2 verändert sich ein bisschen. Beim nächsten Mal, wenn ein ähnlicher Reiz kommt, bewertest du ihn vielleicht schon anders. Vielleicht schon ohne diese Alarmglocken.
Und genau da liegt der Hebel für dich.
Der Reiz von außen, der lässt sich oft eh nicht ändern.
Der Chef schreibt, was er schriebt. Die Schwiegermutter ist, wie sie ist.
Aber der Filter aus Schritt 2, der ist gelernt. Und was gelernt ist, kann neu gelernt werden. Genau da setzt Symptomarbeit an. Nicht am Reiz von außen rumdoktern, sondern rausfinden, warum dein Filter genau diesen Reiz als lebensbedrohlich einstuft, obwohl er es objektiv vielleicht gar nicht mehr ist.
Genau das ist die Spur, die ich mit dir absuche.
Echte Arbeit an dem Muster, das hinter deinem Symptom steckt. Bis du es siehst, verstehst und verändern kannst.
Wenn du merkst, dass dich das gerade wirklich beschäftigt: In meinen Symptomklarheit
-Sessions gehen wir genau dieser Spur nach. 90 Minuten, ein Symptom, eine Frage: Was will es dir eigentlich sagen.
Wenn du erstmal unverbindlich reinschnuppern willst, bevor du dich festlegst: Der InnenFunk Call ist genau dafür da. Kostenlos. 30 Minuten. Wir schauen gemeinsam, ob es passt.
Beachte: Meine Begleitung ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Die Arbeit läuft parallel dazu. Ich stelle keine Diagnosen und gebe keine Heilversprechen. Meine Arbeit versteht sich als ergänzende Unterstützung, die die emotionale Ebene von Symptomen sichtbar macht und mit systemischen, kreativen und mentalen Ansätzen begleitet.











